KiTec in der Jugendhilfe
Ein Erfahrungsbericht der ASiV, ambulante Sozialarbeit GmbH

KiTec in der stationären und ambulanten Jugendhilfe: Selbstwirksamkeit, Beziehung und Transfer in den Alltag
Im Spätsommer sind wir ASiV GmbH, als regionaler Jugendhilfeträger, eine Bildungspartnerschaft eingegangen, um KiTec – Kinder entdecken Technik – in unsere Arbeit zu integrieren. Wir begleiten Kinder, Jugendliche und Familien, die u.a. von Regelangeboten oft nur unzureichend erreicht werden.
Viele der von uns begleiteten Kinder und Jugendlichen tragen große Belastungen. Sie erleben Ausgrenzung oder ziehen sich, aus Selbstschutz und Selbstbehauptung, zurück. Häufig fehlen generell Anbindungen u.a. an sinnvolle Freizeitaktivitäten, die Ressourcen in den Haushalten sind begrenzt, der Alltag der Familien könnten von „Unsicherheiten“ geprägt sein und nicht selten leben die Familien isoliert. Gleichzeitig sehen wir in der Praxis immer wieder, dass hinter Rückzug und Widerstand ein starker Wunsch nach Anerkennung, Zugehörigkeit und nach Situationen, in denen sie spüren etwas zu können, gestalten und beeinflussen zu können, steckt. Genau hier hat KiTec für uns seine Stärke gezeigt.
Die Materialkisten nehmen wir überall hin mit.
Wir setzen KiTec in Einzelsettings oder Kleinstgruppen ein, angepasst an die individuellen Herausforderungen, vor die unsere Zielgruppe uns immer wieder stellt. Dann entstehen Werkstätten an Orten, wo man sie oft nicht vermutet, z.B. im Wohnzimmer einer beengten Mietwohnung, am Küchentisch der alleinerziehenden Mutter, im Kinderzimmer des Jugendlichen wie zum Beispiel bei einem 14jährigen Jungen, der bzgl. Schulverweigerung und exzessivem Computerzocken, von uns begleitet wird. Er lebt bei der alleinerziehenden Mutter etwas zurückgezogen, hat keine sozialen Kontakte, ist zu nichts motivierbar außer zu seinem Computer. Als wir die KiTec-Kiste mitbrachten, war die Skepsis groß – bei ihm und bei der Mutter. Aber dann fing er an zu bauen. Mit großer Motivation, mit konzentrierter Aufmerksamkeit, mit erstaunlicher Ausdauer. Natürlich gab es Rückschläge, da Konstruktionen nicht hielten, es gab Frust, wenn etwas nicht funktionierte. Aber genau hier konnten wir ansetzen. Wir haben Situationen analysiert, Lösungen gesucht, sie neu ausprobiert und erlebt, wie Scheitern kein Ende oder Abbruch sein muss, sondern durchaus Teil des Weges.
Die Problemlösekompetenz von KiTec lässt sich auf den Alltag übertragen
Was wir im Kleinen am Bautisch gemacht hatten, ließ sich auf die Umwelt übertragen. Wir konnten über Schulbesuch und Konflikte reden, Wege im Umgang mit Frustration entwickeln, kleine Erfolge spürbar machen. Bauen wurde zum Kitt im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Das Projekt war dabei ein Probehandeln in geschütztem Raum. Und aus diesem Handeln heraus wurde Transfer möglich, denn wir konnten immer wieder den Bogen zu Lebenswelt schlagen. Nicht als abstrakte Fragestellung „am Tisch“, sondern verdichtet an konkret Erlebtem: planen, scheitern, anpassen, weiterarbeiten. Für den Jugendlichen nachzuvollziehen — und damit utilisierbar.
Anstatt Defizite zu thematisieren, erleben Kinder und Jugendliche Selbstwirksamkeit, erleben sich selbst als handelnd und kompetent. Die Beziehungsarbeit geschieht dabei einfach über das gemeinsame Tun, die Gespräche ergeben sich nebenbei, sie sind nicht konfrontativ, sondern kooperativ und in der Folge auch oft offener und ehrlicher. Frustrationstoleranz und Problemlösekompetenz werden gefördert, weil Rückschläge nicht abgewertet, sondern als sinnvoller Bestandteil des Weges identifiziert, werden können. Und schließlich ist die Umsetzung niedrigschwellig. Das Angebot kann da stattfinden, wo es an Räumen, Ausstattung und Budget fehlt – bis hinein in Einzelsettings und in den vier Wänden der Klienten
KiTec ist für uns nicht nur ein Technikprojekt, sondern ein praxistaugliches Instrument, das Beziehung stärkt, Ressourcen sichtbar macht und Kindern und Jugendlichen Erfolgserlebnisse ermöglicht, an die sich weitere Entwicklungsschritte andocken lassen. In einem Feld, in dem oft Problemlagen dominieren, (er)schafft KiTec etwas. Gerade für Kinder und Jugendliche, die von Regelangeboten nicht erreicht werden, braucht es solche unkomplizierten, mobilen Lösungen ohne „Eingangshürden“. Eine für uns bewährenden Methode, um die so wichtigen alternativen Handlungsstrategien und Perspektiven zu erarbeiten und spürbar zu machen.