Im Gespräch mit Stefanie Hirsch und Eric Böhmfeld von Dräger

09.06.2026

Wir sprechen mit Stefanie Hirsch, Vorständin für Nachhaltigkeit und Qualität bei Dräger und neu im Lenkungskreis der Wissensfabrik, sowie mit Eric Böhmfeld, HR-Manager und Technischer Ausbilder bei Dräger sowie Leiter des Arbeitskreises Bildung der Wissensfabrik.

Portraitbild von Stefanie Hirsch, Vorständin für Nachhaltigkeit und Qualität der Drägerwerk AG & Co. KGaA
Stefanie Hirsch, Vorständin für Nachhaltigkeit und Qualität bei Dräger
Portrait Eric Böhmfeld, HR-Manager und Technischer Ausbilder bei Dräger
Eric Böhmfeld, HR-Manager und Technischer Ausbilder bei Dräger

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Frau Hirsch, Dräger ist seit 16 Jahren Mitglied der Wissensfabrik. Was überzeugt Sie persönlich von dem Engagement und der Wissensfabrik als Initiative?

Bei Dräger verstehen wir Verantwortung nicht als Pflicht, sondern als Haltung. Unser Leitsatz „Jeden Tag Verantwortung übernehmen“ endet nicht am Werkstor – er richtet sich auf die Zukunft unserer Gesellschaft.
Seit 16 Jahren sind wir deshalb Mitglied der Wissensfabrik. Denn die zentralen Herausforderungen unserer Zeit – Fachkräftemangel, digitale Bildung, Innovationsfähigkeit und Sicherung des Industriestandorts Deutschland – lassen sich nur gemeinsam lösen. Unternehmen müssen Teil der Antwort sein.
Wir sind überzeugt: Bildung, insbesondere MINT‑Kompetenzen, und Innovation sind die stärksten Hebel für eine lebenswerte Zukunft und einen resilienten Wirtschaftsstandort. Die Wissensfabrik verbindet genau das mit unternehmerischem Engagement und messbarer Wirkung.
Unser Engagement ist Ausdruck eines klaren Anspruchs: Verantwortung heute zu übernehmen für die Generationen von morgen.

Herr Böhmfeld Sie koordinieren das CSR-Engagement. Wie würden Sie die Zusammenarbeit mit der Wissensfabrik in drei Sätzen beschreiben?

Die Zusammenarbeit mit der Wissensfabrik ist geprägt von einem vertrauensvollen Austausch und gemeinsamen Ziel, junge Menschen nachhaltig zu fördern. Mit Projekten wie „KiTec – Kinder entdecken Technik“ oder „IT2School – Gemeinsam IT entdecken“, bei denen Kinder spielerisch technische oder IT-Grundlagen lernen, können wir unser gesellschaftliches Engagement gut umsetzen.

Frau Hirsch, warum passt die Wissensfabrik zu Dräger – was verbindet Sie inhaltlich?

Als börsennotiertes Familienunternehmen denkt Dräger konsequent generationsübergreifend. Unser zentrales Ziel ist es, das Unternehmen gestärkt von einer Generation an die nächste zu übergeben – unabhängig, selbstbestimmt, wirtschaftlich erfolgreich und gesellschaftlich respektiert. Genau diese langfristige Perspektive verbindet uns eng mit der Wissensfabrik.
Unser Leitbild „Technik für das Leben“ ist dabei weit mehr als ein Claim: Es ist Ansporn und Verpflichtung zugleich, Verantwortung für Menschen, Umwelt und Gesellschaft zu übernehmen. Die Wissensfabrik adressiert mit Bildung, MINT‑Förderung und Nachwuchsentwicklung genau die Themen, die dafür entscheidend sind. Beide Seiten eint der Glaube daran, dass technologische Exzellenz, Bildung und kreative Vielfalt die Grundlage für eine lebenswerte und zukunftsfähige Gesellschaft sind.

Wie fügt sich das Programm in die Gesamtstrategie für Nachhaltigkeit und gesellschaftliches Engagement von Dräger ein?

Nachhaltigkeit verstehen wir bei Dräger als Voraussetzung für unseren wirtschaftlichen Erfolg. Ohne Wirtschaftlichkeit keine Nachhaltigkeit – und ohne verantwortungsvolles Handeln entlang unserer gesamten Wertschöpfungskette kein dauerhaftes Bestehen. Dazu gehört ausdrücklich auch unsere Verantwortung gegenüber der Gesellschaft.

Das Engagement in der Wissensfabrik zahlt direkt auf die Handlungsfelder unserer Nachhaltigkeitsstrategie ein, insbesondere auf den Bereich Unternehmen und Mitarbeitende. Wir stärken Mitarbeiterbindung und ‑engagement, fördern Vielfalt und bauen zukunftssichere Qualifizierung und Bildung aus. Indem wir junge Menschen für Technik begeistern, Kompetenzen aufbauen und Teilhabe ermöglichen, investieren wir nicht nur in Talente von morgen, sondern in die Zukunftsfähigkeit unseres Unternehmens und unseres Standorts insgesamt.

Die Wissensfabrik ist für uns damit ein zentraler Baustein, um gesellschaftliches Engagement, Nachhaltigkeit und langfristige Unternehmensstrategie wirkungsvoll miteinander zu verbinden.

Herr Böhmfeld, welche Ziele verfolgt Dräger mit der Förderung von MINT-Bildung und Technikkompetenz?

Wir möchten eine frühzeitige Berufsorientierung ermöglichen, den Nachwuchs für technische Berufe begeistern und Mädchen und junge Frauen gezielt fördern.

Welche Resonanz bekommen Sie Lehrkräften und Schüler*innen, wenn sie ein Wissensfabrik-Projekt durchführen, beispielsweise bei Schulbesuchen?

Lehrkräfte äußern sich positiv über die Kooperation. Sie schätzen insbesondere die Praxisnähe und Realbezug durch Unternehmensvertreter, die didaktisch hochwertige Materialien der Wissensfabrik und stellen eine Motivationssteigerung bei den Schüler*innen fest. Die Schüler*innen wiederum erleben eigenständiges Arbeiten und haben sichtbare Erfolgserlebnisse, sie arbeiten jetzt häufig im Team und bekommen einen Realitätsbezug zur Arbeitswelt.

Frau Hirsch, gab es ein Erlebnis an einer Schule, das Sie besonders beeindruckt hat?

Ja, ein Moment ist mir besonders lebendig in Erinnerung geblieben: der Tag der offenen Berufsausbildung bei Dräger in Lübeck im Frühjahr 2025, den wir ganz bewusst genutzt haben, um 20 Jahre Wissensfabrik zu feiern.
Schon bis zum Mittag waren über 300 Besucherinnen und Besucher auf unserem Werksgelände – junge Menschen, Eltern, Lehrkräfte –, alle mit großem Interesse an den Möglichkeiten der beruflichen Ausbildung bei Dräger. Parallel dazu haben in einem Nebenraum kleinere Kinder mit „Kitec“ Schiffe, Vogelhäuser und sogar Katapulte gebaut. Mit großer Konzentration, Neugier und sichtbarem Stolz auf das, was sie selbst erschaffen haben.
Dieser Kontrast – auf der einen Seite junge Erwachsene am Übergang ins Berufsleben, auf der anderen Seite Kinder, die spielerisch Technik entdecken – war für mich extrem eindrucksvoll. Er zeigt, wie früh Begeisterung für MINT entstehen kann und welches Potenzial darin steckt, Technik erlebbar zu machen.
Besonders bewegt hat mich die spürbare Begeisterung für die Wissensfabrik und ihr Engagement. Zu sehen, wie viele Menschen sich davon angesprochen fühlen und wie niedrigschwellig Zugänge zu Technik und Bildung geschaffen werden, bestätigt für mich: Genau so entsteht Zukunft – mit Neugier, praktischer Erfahrung und echter Leidenschaft fürs Lernen.

Welche Erfolge sehen Sie bereits – etwa Anzahl besuchter Schulen, Mitarbeiterbindung, Stärkung der Unternehmermarke oder neue Azubis?

Wir sehen Erfolge auf mehreren Ebenen – und nicht nur in Zahlen, sondern vor allem in Wirkung. Über unsere Aktivitäten mit der Wissensfabrik erreichen wir regelmäßig Schulen, Kinder und Jugendliche sehr unterschiedlicher Altersstufen und sozialer Hintergründe. Entscheidend ist dabei weniger die reine Anzahl, sondern die Qualität der Begegnung: Technik wird erlebbar, Neugier geweckt und Selbstvertrauen aufgebaut.

Gleichzeitig wirkt dieses Engagement stark nach innen. Unsere Mitarbeitenden – ob Auszubildende, Fachkräfte oder Führungskräfte – identifizieren sich sehr mit dem Einsatz für Bildung und MINT‑Förderung. Das stärkt Bindung, Stolz und Sinnhaftigkeit der eigenen Arbeit. Gerade unsere Auszubildenden erleben, dass sie nicht nur lernen, sondern selbst Vorbilder sein können.

Und nicht zuletzt sehen wir auch eine positive Wirkung auf unsere Arbeitgebermarke. Dräger wird als Unternehmen wahrgenommen, das Verantwortung übernimmt und Zukunft aktiv mitgestaltet. Für viele junge Menschen ist das ein entscheidender Faktor bei der Wahl eines Ausbildungs- oder Arbeitsplatzes – und damit auch ein wichtiger Beitrag zur langfristigen Fachkräftesicherung.

Welchen Rat geben Sie anderen Unternehmen, die ihr CSR-Engagement ähnlich gestalten möchten?

Mein wichtigster Rat ist: CSR muss zur DNA des Unternehmens passen. Es sollte kein Add‑on oder Marketinginstrument sein, sondern aus der eigenen Haltung, Strategie und Verantwortung heraus entstehen. Bei Dräger ist das Leitbild „Technik für das Leben“ der klare Bezugspunkt – daraus leitet sich unser Engagement ganz natürlich ab.

Zweitens: Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit gehen Hand in Hand. Hier ist es wichtig, zu verstehen, dass wirkliche Wirkung durch Kontinuität entsteht, verlässliche Partnerschaften und den Mut, Themen über viele Jahre kontinuierlich weiterzuentwickeln – so wie bei der Wissensfabrik.

Und drittens: Mitarbeitende einbinden. CSR wird dann besonders kraftvoll, wenn Menschen im Unternehmen aktiv mitgestalten können und Sinn erleben. Das verbindet gesellschaftlichen Nutzen mit Unternehmensentwicklung – und genau darin liegt aus meiner Sicht der größte Hebel.

Kurz gesagt: Wer Verantwortung ernst meint, stärkt damit nicht nur die Gesellschaft, sondern auch die eigene Zukunftsfähigkeit.

Was macht Sie persönlich stolz, wenn Sie an das Engagement denken?

Mich macht besonders stolz, dass unser Engagement ganz bewusst Perspektiven eröffnet – und zwar für alle, unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder sozialem Hintergrund. Gerade wenn ich sehe, wie Mädchen und junge Frauen frühzeitig mit Technik in Berührung kommen, Selbstvertrauen entwickeln und beginnen, sich selbst in technischen Rollen zu sehen, ist das für mich persönlich sehr bewegend.

Wir wissen, dass Frauen in technischen Berufen und erst recht in Führungspositionen noch immer unterrepräsentiert sind. Umso wichtiger ist es, früh anzusetzen: Begeisterung für Technik zu wecken, Vorbilder sichtbar zu machen und zu zeigen, dass technische Karrierewege genauso offen, sinnstiftend und gestaltbar sind wie alle anderen. Aktivitäten wie die der Wissensfabrik leisten hierzu einen wertvollen Beitrag – ganz niederschwellig, spielerisch und dennoch wirkungsvoll.

Gleichzeitig macht es mich stolz zu sehen, dass wir dieses Thema auch im Unternehmen leben. Wenn Mitarbeiterinnen – ob Auszubildende, Ingenieurinnen oder Führungskräfte – sich engagieren und selbst zu Role Models werden, entsteht eine positive Dynamik: für junge Frauen außerhalb des Unternehmens ebenso wie für die nächste Generation von Führungskräften bei Dräger.

Zu erleben, dass wir als Unternehmen Verantwortung übernehmen, Technik für Menschen zugänglich machen und dabei ganz konkret zur Stärkung von Frauen in Technik und Führung beitragen, ist für mich ein sehr erfüllender Teil meiner Aufgabe.

Herr Böhmfeld, welcher Moment hat Ihnen zuletzt gezeigt: Das ist genau der richtige Weg?

Wir hatten einen Auszubildenden, der die Projekte „KiTec“ und „Power2School“ (mittlerweile City4Future“) durchlaufen hatte. Dieser junge Mann startete eine Ausbildung im technischen Bereich und schloss als Landesbester in Schleswig-Holstein ab. Wir konnten ihn durch die Projekte schon frühzeitig für Technik begeistern.

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