„Nach dem ersten Speedmentoring haben wir angefangen, unternehmerischer zu handeln“ - WECONOMY-Gewinner Cytolytics im Interview - Wissensfabrik - Unternehmen für Deutschland e.V.

„Nach dem ersten Speedmentoring haben wir angefangen, unternehmerischer zu handeln“ – WECONOMY-Gewinner Cytolytics im Interview

Cytolytics ist ein Softwareanbieter für die Auswertung medizinischer Daten basierend auf Machine-Learning-Methoden. Hochqualifiziertes medizinisches Personal soll so wenig Zeit wie möglich in die manuelle Auswertung von Rohdaten stecken. So gewinnt man Zeit und kann Kosten einsparen, gleichzeitig können die Patient*innen auf eine fundierte Entscheidungsfindung durch das medizinische Personal vertrauen.  Cytolytics strebt an, die Mortalitätsrate von Krebserkrankungen um bis zu 50 Prozent zu senken.

Seit 2020 sind Can und Serina Pinar zusammen mit Christoph Zimmermann das Team hinter dem Start-up und Gewinner*innen der 15. Runde des Gründer*innenwettbewerbs WECONOMY. Bereits zuvor haben sie von den Formaten der Wissensfabrik profitiert. Im Interview haben wir mit dem Gründerpaar über ihre Anfänge als Start-up, ihre Erfahrung mit der Wissensfabrik und ihren WECONOMY-Gewinn gesprochen.

Can, Serina, was hat euch motiviert, Cytolytics zu gründen?

Can: Die Grundidee stammt aus einem Uni-Seminar. Die Leiterin hat mich als Bio-Informatiker unter vielen Lebenswissenschaftlern gebeten, mir die Prozesse in ihrem Labor mal anzuschauen. Mir ist direkt aufgefallen, dass die Menschen in diesem Raum so viel wertvolle Zeit mit unnötigen manuellen Auswertungen verschwenden und man hier mit rechengestützten Methoden unterstützen könnte. Das war in etwa die erste Idee zu Cytolytics, auch wenn sie jetzt ein bisschen verändert ist. Das Senken der Mortalität durch Krebserkrankungen ist ein Thema, das uns als Team am Herzen liegt – wir sind alle direkt oder indirekt betroffen, kennen Menschen, die davon betroffen sind, und in solchen Situationen merkt man, dass man hilflos ist. Unsere größte Motivation zu gründen war es, für weniger Leid in der Menschheit zu sorgen.

Welche Rolle spielen denn Start-ups im Gesundheitssektor?

Can: Ich glaube, Start-ups sind das Beste, was dem Gesundheitssystem passieren kann. Sie bringen disruptive Technologien auf den Markt und helfen beim notwendigen Wandel in Richtung Digitalisierung und Automatisierung – Themen, die im Gesundheitsbereich viel zu spät angekommen sind. Die innovativen Technologien der Start-ups sind absolut notwendig für dessen Fortbestehen. Das sehen wir zum Beispiel beim drohenden Ärztemangel in zukünftigen Generationen.

Serina: Im MedTech-Bereich gibt es viele Neugründungen und vor allem im Vergleich zu großen BioTech- oder MedTech-Unternehmen laufen Prozesse in Start-ups viel schneller, weil man kleinere Teams und weniger Regularien hat. Man kann schneller den Kurs ändern, wenn er nicht passt.

Ihr habt an mehreren Speedmentorings der Wissensfabrik teilgenommen. Wie hat euch das geholfen?

Serina: Beim ersten Speedmentoring im Frühling 2020 waren wir als Team erst ganz frisch zusammen. Wir hatten von unserem heutigen Coach und Investor Stephan Dabels von dem Wettbewerb gehört, der selbst 2016 mit seinem Start-up AmbiGate teilgenommen und gewonnen hat. Plötzlich hatten wir Kontakt zu wirklich hochkarätigen Expert*innen, die sich Zeit nehmen und die Idee anhören. Vor allem in der Anfangsphase ist so etwas unglaublich wichtig.  Wir haben so viel wertvollen Input bekommen, selbst bei Mentor*innen aus Branchen, die für uns auf den ersten Blick nicht so interessant waren. Man konnte aus jedem Gespräch etwas mitnehmen.

Can: Ich war anfangs vor allem mit der Technologie beschäftigt, auch weil ich als Bio-Informatiker diesen Hintergrund habe. Die Gespräche haben mir andere Perspektiven gezeigt und ich habe dann schnell gemerkt, dass ein Unternehmen natürlich aus viel mehr Teilen besteht als nur aus der Technologie. Inzwischen beschäftige ich zum Beispiel mit Strategie, Finanzierung, Regularien oder Teamzusammensetzung. Ich glaube, nach dem ersten Speedmentoring haben wir erst angefangen, unternehmerischer zu handeln.

Ihr habt zweimal am Gründer*innen-Wettbewerb WECONOMY teilgenommen. 2020 wart ihr unter den 20 Finalist*innen, konntet jedoch die Jury nicht überzeugen. In diesem Jahr habt ihr es dann geschafft und wurdet zu Gewinner*innen gekürt. Was habt ihr in dem einen Jahr verändert?

Can: Wir haben zwar schon im Januar 2020 gegründet, aber in Vollzeit an Cytolytics arbeiten konnten wir erst ab Mai oder Juni. Und vier Monate später war schon die Jury-Sitzung. Wir fühlen uns bis heute geehrt, dass wir es in dieser frühen Phase bis ins Finale geschafft haben. Andere Start-ups waren schon viel weiter. Im Nachhinein hätten wir damals von dem Gewinn nicht so profitieren können, wie wir es jetzt tun. Damals hätten unsere Fragestellungen nicht zu den Gesprächen mit den Top-Manager*innen gepasst, weil wir insgesamt viel zu früh dran waren. Als wir uns dann nochmal beworben haben, konnten wir zeigen, wie viel wir in dem einen Jahr schon umgesetzt und verstanden hatten.

Serina: Als wir nicht unter die Top 10 gekommen sind, war uns schon klar, dass wir uns nochmal bewerben werden. Klar waren wir enttäuscht, aber wir wussten auch, dass wir uns die Zeit geben müssen und im nächsten Jahr dann mit einer deutlichen Entwicklung dastehen.

Mitte Oktober habt ihr beim WECONOMY-Auftakt euer Start-up mit Top-Manager*innen diskutiert. Was hat euch dabei am besten gefallen?

Serina: Uns hat einfach alles gefallen! Wir waren auch in den Tagen danach noch so geflasht davon, wie toll alles war. Die Begrüßung, die Organisation, die Gespräche mit den Top-Manager*innen und auch mit den anderen Start-ups – ich kann gar nicht sagen, was mir am besten gefallen hat.

Can: Wie oft hat man schon die Möglichkeit, mit so interessanten Persönlichkeiten in einem Raum zu sein, die einem Aufmerksamkeit schenken? Die Top-Manager*innen haben eine neue Perspektive auf Fragestellungen eingebracht. Für mich ist es der wertvollste Gründer*innen-Wettbewerb, den ich kenne, weil man den Zugang zu Wissen und Unterstützung mit Geld nicht aufwiegen kann. Und es ist ein gutes Gefühl, von anderen Gründer*innen mit ähnlichen Mindsets umgeben zu sein.

Was erhofft ihr euch von eurem WECONOMY-Jahr?

Can: Einige Gespräche haben wirklich gefruchtet, einige Top-Manager*innen konnten uns direkt mit Ansprechpartner*innen aus ihrem Netzwerk verknüpfen. Wir hoffen natürlich, dass das unsere Unternehmensentwicklung unterstützt, wir beispielsweise Kooperationspartner*innen oder Pilotkund*innen für uns gewinnen oder verstehen, wie wir unser Geschäftsmodell noch weiter ausbauen können.

Würdet ihr anderen Start-ups empfehlen, an den Wissensfabrik-Formaten teilzunehmen?

Can: Auf jeden Fall! Das tun wir auch schon. Jedem Start-up, das ich bisher kennengelernt habe, habe ich gesagt: Bewerbt euch bei WECONOMY!

Serina: Ja, wenn man schon einen gewissen Reifegrad erreicht hat, dann auf jeden Fall WECONOMY!

Was sind jetzt die nächsten Schritte für euch?

Can: In den nächsten 12 bis 18 Monaten haben wir Großes vor. Wir wollen unsere Technologie erweitern und dann hoffentlich den gesamten Gesundheitsmarkt verändern.

Serina: Wir wollen in der Krebsfrüherkennung und Krebsforschung das Maximum geben. An diesem Ziel halten wir fest.

 

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